Mobilität

E-Bikes bringen Gefahren

Zahl der Unfälle steigt – Helme schützen

Pedelecs liegen, wie in den vergangenen Jahren, im Trend. Wie Auto&Reise berichtete, wurden allein in Deutschland im Jahr 2016 über 605 000 E-Bikes verkauft. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) schätzt, dass rund drei Millionen Fahrräder mit unterstützendem Elektromotor in Deutschland unterwegs sind. Tendenz steigend. Kein Wunder, kommt man damit doch entspannt und schnell ans Ziel.

Immer deutlicher wird inzwischen die Kehrseite des Booms: steigende Unfallzahlen. Wie SWR Aktuell meldet, ereigneten sich bis Ende November 2017 in Baden-Württemberg den Behörden zufolge 1.096 Unfälle mit Elektro-Fahrrädern. Dies entspricht einem Anstieg von knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei wurden 303 E-Bike-Fahrer schwer, 665 leicht verletzt.

Damit hat sich ein Trend fortgesetzt. Bereits von 2016 auf 2017 war die Zahl von Unfällen mit E-Bikes um gut ein Viertel angestiegen. Ursächlich hierfür sind aus Sicht des Innenministeriums die gestiegene Zahl an elektrisch unterstützen Fahrrädern sowie ein im Vergleich zu konventionellen Fahrrädern verändertes Fahrverhalten. Zudem, so der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) Siegfried Brockmann, nutzen durch die Elektrounterstützung zunehmend ältere Menschen wieder ein Fahrrad.

Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, liegt nach Angaben des Statistischen Landesamts Baden Württemberg bei Nutzern von Pedelecs doppelt so hoch wie bei Fahrradnutzern. Höher ist auch das Risiko, schwer verletzt zu werden. Viele der Todesfälle, davon sind die Verkehrssicherheit-Experten des ARCD überzeugt, könnten verhindert und schwere Verletzungen abgemildert werden. Denn fast 60 Prozent aller 2016 getöteten Fahrradfahrer trugen zum Unfallzeitpunkt keinen Helm. Eine generelle Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht. Der ARCD appelliert daher an die Einsicht der Menschen und setzt auf Freiwilligkeit: „Aber wir empfehlen Radfahrern aus Sicherheitsgründen dringend, stets mit Kopfschutz zu fahren, wenn es die Verkehrssituation erfordert“, betont Generalsekretär Jürgen Dehner. Auch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, ein Zusammenschluss von Unfallmedizinern, fordert Radfahrer dringend zu einem Kopfschutz auf.

Tags
Show More

Related Articles

2 Comments

  1. Diese Zahlen waren mir nicht bekannt, verwundern mich jedoch nicht.
    Fast 30 Jahre fahre ich jeden Arbeitstag, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit mit dem Fahrrad zur Dienststelle und zurück. So komme ich auf ca 6000 km pro Jahr.
    Ich fahre auch Motorrad und Auto. Beide bewege ich allenfalls 1000 km pro Jahr.
    Habe dadurch aber einen guten Vergleich zum Radfahrer.

    Den Boom der Pedelec in den letzten Jahren habe ich erlebt und dabei in der Regel die Unsicherheit der Pedelecfahrer festgestellt.
    Ich frage mich, aus welchem Grund sich Menschen Pedelec kaufen und nicht selbst die Energie erzeugen, die sie zum Fahren brauchen.
    Ein Argument könnte die Geschwindigkeit (bis max. 27 km/h Unterstützung) sein. Ich komme mit wenig Energieaufwand deutlich schneller zur Arbeitsstelle als mit dem Fahrrad und bin weniger verschwitzt. Möglicherweise sogar schneller als mit dem Auto.
    Allerdings war ich vorher nicht in der Lage diese Geschwindigkeit mit dem Fahrrad also ohne Unterstützung zu fahren.
    Woher soll also mein angepasstes höheres Reaktionsvermögen und entsprechende Umsicht kommen ?
    Die beim Pedelec verwendeten Bremsen sind keine anderen, als die beim Fahrrad. Hier muss ich als Pedelecler also mit der mir unbekannten Bremswirkung dieser Bremsen bei höherer Geschwindigkeit zurechtfinden.

    Ein Argument könnte “ in Bewegung halten“ sein.
    Bei älteren Menschen stelle ich das häufig fest. Sie fahren in der Regel nie schnell oder sogar zu schnell.

    Mir fällt oft die Kombination aus beidem auf.
    Viele Pedelecfahrer fahren 25 km/h und treten wie gelangweilt in die Pedale. Mit der niedrigen Trittfrequenz würde der Fahrer sich auf jedem Fahrrad müde treten oder/und kaum vorankommen.
    Mir scheint, dass dort das Gefühl für das Fahren fehlt auf jeden Fall für das Schalten.
    Der Fahrer fährt im „dicken Gang“ weil er wenig treten muss und dennoch gut „Meter macht“.
    Von ökonomischem Schaltverhalten noch nie gehört, wird er auch mit dem „dicken Gang“ gleich wo zum Stehen kommen.
    Analog wird er wohl auch mit den Schaltstufen der Unterstützung umgehen und diese nicht zurücksetzen (runterschalten)
    Beim Start kann er so leicht sein blaues Wunder erleben.
    Das Anfahren im „dicken Gang“ erfordert viel Kraft. Mit dieser erforderlichen Kraft tritt er ins Pedal. Diese hohe Kraft bedeutet für den Motor des Pedelec hohe Unterstützung zu liefern, was er gerne tut. Schon setzt sich das Rad mit einer vom Fahrer vollkommen unterschätzen Kraft in Bewegung.
    Der gleiche Mensch als Autofahrer würde sein Autogetriebe so nie schalten. Er käme nie auf die Idee im großen Gang (4-6) anzufahren und würde immer auf den kleinsten Gang wechseln.

    Resümierend wünsche ich mir
    • Fahrtraining für Pedelecfahrer oder Umstieg erst nach längerer Benutzung eines Fahrrades
    • Aufklärung im Umgang mit den technischen Möglichkeiten und Risiken des Pedelec.
    • Schulung der Schaltgewohnheit
    • Sensibilisierung zum Tragen eines Helms und reflektierender Kleidung oder/und Accessoires

    1. Lieber Hans-Bert,

      vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, in dem Sie viele wichtige Aspekte die Pedelecs betreffend beschreiben. Viele davon sind uns auch aus alltäglichen Beobachtungen vertraut. Elektrisch unterstütze Räder eröffnen vielen Menschen neue Nutzungsaspekte, etwa um morgens nicht schweißgebadet im Büro anzukommen. Sie beschreiben solche Fälle. Und sie ermöglichen mehr Menschen, auf dem Zweirad längere Strecken zu überbrücken und dafür im Prinzip weniger Kraft aufwenden zu müssen als mit einem herkömmlichen Fahrrad. Etwa in hügeligem Gelände. Allerdings ist es wichtig, dass die Fahrerinnen und Fahrer mit einem solchen Gefährt, das in vielen Fällen anders reagiert und auch anders zu bedienen ist als das gewohnte Fahrrad, auch umgehen lernen. Insbesondere auch, weil mit einem Pedelec im Grunde schneller gefahren werden kann, als es die eigene Körperkraft erlaubt. Gerade Menschen, die eventuell länger nicht mehr Rad gefahren sind, und mit einem Pedelec neu anfangen wollen, empfehlen wir ein Fahrsicherheitstraining oder zumindest eine längere Eingewöhnungsphase.
      Ihre abschließenden Wünsche bestärken uns darin, dass wir uns mit diesem Thema weiterhin intensiv auseinandersetzen. Hier in diesem Blog, aber auch im ARCD-Clubmagazin Auto&Reise. Dabei vergessen wir selbstverständlich auch nicht, die übrigen Verkehrsteilnehmer mit einzubeziehen. Denn zum Beispiel müssen Autofahrer oder Fußgänger damit rechnen, dass ein Pedelecfahrer wesentlich schneller zu ihnen herangefahren kommt als ein anderer Radfahrer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Auch interessant ...

Close
Back to top button
Close
Close