Reise

Eisenbahn: Romantik nach Fahrplan

Am 4. Juli 1837 nimmt die Grand Junction Railway in Mittelengland den Betrieb auf. Es ist die erste dampfbetriebene Fernbahn Europas. Laut Fahrplan hätte sie über London bis Birmingham durchfahren sollen. Durch Probleme beim Bahnbau sollte dies allerdings erst am 17. September 1838 gelingen. Der Erfolg der Eisenbahn als Verkehrsmittel für die Massen war trotz des holprigen Starts nicht aufzuhalten. Auch, weil den laut fauchenden Ungeheuern aus Stahl stets ein Hauch von weiter Welt anhaftete.

Schnell lief die Eisenbahn auch bei den Reichen und Schönen gegenüber der Postkutsche den Rang ab. Sie war schnell, sicher – und mit technischem Fortschritt zunehmend komfortabel. Mit dem „Orient Express“ verlässt am 15. Juni 1883 dann erstmals ein komplettes Grand-Hotel auf Schienen den Pariser Hauptbahnhof. Die Gattung der Luxus-Züge ist geboren. Mondän ausgestattet verbinden sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Metropolen Europas mit dem Balkan oder dem sagenumwobenen Orient.

Die, im Zuge der Industrialisierung von wirtschaftlichen Nöten geplagte, breite Öffentlichkeit bleibt freilich außen vor. Tickets sind nur für Hoch- und Geldadel erschwinglich. Was die Gerüchteküche ebenso anregt, wie die Fantasie zeitgenössischer Autoren. Zahlreiche Liebesromane und Krimis spielen auf den Schienen zwischen Paris und Konstantinopel. Sogar Agatha Christie lässt ihren Star-Detektiv Hercule Poirot in „Mord im Orient Express“ ermitteln.

In den 1970er Jahren ist dann allerdings Schluss. Flugzeuge verdrängen die romantisch verklärten Fernreisen mit der Eisenbahn. In einer schnelllebigen Zeit ist es reizvoller, zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt sein zu können, als bei einem Gala-Dinner die Landschaft vorüberziehen zu lassen. Trotzdem konnten sich einige der glorreichen Fernreisezüge außerhalb des Regelfahrplans bis heute erfolgreich behaupten. Wer Zeit und Geld mitbringt, kann inzwischen hin und wieder mit einem „Orient Express“ auf Reisen gehen. So wie Michael Jackson bei seiner Europa-Tour 1992.

Luxusreisen mit der Eisenbahn gibt es auch in Afrika – etwa mit dem „African Explorer„. Mit maximal 50 Stundenkilometern verkehrt der historische Sonderzug zwischen Kapstadt und Windhoek. Die 18 exklusiven Waggons bieten Platz für gerade einmal 68 Fahrgäste. Wie einst Queen Victoria können diese Naturreservate und eine einzigartige Tierwelt erleben, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Luxuszug in Afrika
Der historische Sonderzug „African Explorer“ rollt mit seinen 18 exklusiven Waggons und maximal 50 Stundenkilometer durch wunderschöne, fremde Landschaften. – Foto: HR
Der historische Sonderzug „African Explorer“ im Depot vor dem Tafelberg. – Foto: HR
Insgesamt 18 feudale Waggons bilden den „African Explorer“. – Foto: HR

    Ein Erlebnis, das auch weniger betuchte Eisenbahnromantiker miterleben können. Denn die ARD hat für ihre neue Doku-Serie „Verrückt nach Zug“ den „African Explorer“ auf seiner Reise durch Südafrika und Namibia begleitet. Gezeigt werden die Episoden seit Mittwoch, 15. August 2018, im Ersten.

    Traumreisen mit der Eisenbahn gibt es auch zu erschwinglichen Preisen – im ARCD-Reisebüro sogar mit 3 % Mitglieder-Bonus. Für Klassiker wie den „Glacier Express“ ebenso, wie für die „Transsibirische Eisenbahn“ geht.

     

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