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Legacy – eine extreme Autobiographie

Zugegeben, Autobiografien von Stars sind oft so eine Sache. Mal enthalten sie wenig Neues. Interpretieren die Historie sehr frei oder dienen ausschließlich der Eigen-PR. Manchmal gerät eine Autobiografie auch zu einer späten Abrechnung mit Eltern, Wegbegleitern oder der Gesellschaft. Bei Legacy ist dies anders. Das merkt man schon auf den ersten Blick. Denn das kleinste Element auf dem Cover ist der Protagonist, ist Mad Mike Küng. Es dominieren tiefblauer Himmel und endlose Weite. Jene Elemente also, denen sich einer der extremsten Gleitschirm-Profis der Welt verschrieben hat. In den späten 1980er Jahren.

Damals war Mike Küng, Sohn eines Vorarlberger Sportartikelfachhändlers, gerade aus dem Wehrdienst ausgeschieden. Und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Zwischen den Leidenschaften Bodybuilding und Bergsteigen schwankend, drückte sein Vater ihm einen Gleitschirm in die Hand.

„Im Grunde war er der Flugfanatiker: Er schleppte mich den Hang rauf und sagte: ‚Komm, da hüpfen wir jetzt runter’“.

Mad Mike Küng

Bodenständig und ehrlich wie dieses Zitat kommt das ganze Buch daher. Genauso, wie auch Bettina Glaser Mad Mike Küng selbst kennenlernte. Als er mit ihr für „Der Traum vom Fliegen“ im letzten Jahr den Achensee überflog. Denn auch wenn er schier unmenschliche Herausforderungen gemeistert hat – Küng ist mit beiden Beinen am Boden geblieben. „Wenn sich jemand etwas durch besonderen Fleiß erarbeitet, taugt mir das mehr, als wenn einer bloß ein Ultratalent ist, dem alles zufliegt.“ bemerkt er trocken.

In Legacy gewährt Mad Mike Küng einen Blick hinter die Kulisse einer beispiellosen Karriere. Die ist gekennzeichnet von Superlativen wie der ersten Ärmelkanal-Überquerung per Gleitschirm oder einem Sprung aus 10.100 Metern Höhe. Für Küng sind dies „meine Gschichten, bei denen ich immer draufgezahlt habe“. Sein Geld verdient er bis heute als Test- und Zulassungspilot oder Fluglehrer. Trotz einiger Sponsoren, Millionenbudgets wie manch anderer hatte Küng nie. Neid verspürt er trotzdem nicht. Dafür klingt Dankbarkeit aus jeder seiner Zeilen. Dafür, mit beschränkten Mitteln enormes geleistet und gleichzeitig eine Sportart mit gestaltet zu haben.

Vielleicht auch deshalb hat nicht alles auf Anhieb geklappt. Doch scheitern bedeutet für den Gleitschirm-Profi nicht automatisch aufgeben. „Es heißt: Ok, muss ich’s halt besser machen beim nächsten Mal“. Deshalb ist Legacy deutlich mehr als die Lebensgeschichte eines Extremsportlers. Weite Teile der 149-seitigen Lektüren funktionieren als Ratgeber für Menschen auf der Suche nach Motivation. Keineswegs abgehoben – aber immer schonungslos ehrlich.

Für 30,00 Euro bekommt der Leser mit Legacy noch mehr. Der dritte Teil des hochwertig gedruckten Hardcovers kommt als atemberaubender Bildband daher. Outdoor-Fotograf Giorgio Sabbioni begleitete mit seiner Kamera einen der verrücktesten Gleitschirmflieger buchstäblich bis ans Ende der Welt. Egal ob die karge Namibischen Wüste, der Strand von Socotra Island, Jemen oder an die Bunkeranlagen im dänischen Loekken – Mad Mike Küng hat die unglaublichsten Regionen beflogen. Zahlreiche farbenprächtige Prints lassen diese nacherleben.

Bei vergleichbaren Veröffentlichungen nicht selbstverständlich: Legacy ist hochwertig ausgestattet.

Mit Legacy legt Mad Mike Küng ein Buch vor, das so gar nicht in ein bestimmtes Genre passen will. Auf den Bestseller-Listen wird es deshalb wohl nicht auftauchen. Damit wird es gleichzeitig zu einem lesenswerten Geheimtipp – für Sportfreunde, Reiselustige oder Menschen auf der Suche nach sich selbst.

„Legacy“ – Mike Küng
30,00 Euro, inkl. Versand bei madmikekueng.com
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