Mobilität

Welcher Schlitten punktet mehr

„Zwei Autos – zwei Meinungen“ nennt sich eine von Auto-Fans viel beachtete Beitragsreihe in der Auto&Reise, dem Clubmagazin des ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland. Da tritt schon einmal ein Kia Stinger mit dem Audi A5 in Wettstreit. Oder es röhren Legenden wie ein Porsche 718 Boxter mit dem Jaguar F-Type um die Wette. Auf den ersten Blick völlig ungleiche Fahrzeuge messen in dieser Rubrik ihre Kräfte. Gemein ist ihnen, dass sie spektakuläre Vertreter ihrer Art sind. Außerdem teilen sie sich in ihrer Differenziertheit doch dieselbe Zielgruppe.

Ein spannendes Konzept, das Leser und ARCD-Blogger begeistert hat. Doch warum nur zwei Autos miteinander vergleichen? Immerhin gibt es unterschiedlichste Transportmittel zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Inspiriert durch die Auto&Reise entstand so die Idee zu einem Schaulaufen der besonderen Art:

Porsche Macan GTS vs. Santa Claus RB8

Mit diesen beiden Fahrzeugen wenige Tage vor Weihnachten einen Test zu veranstalten, ist ein ambitioniertes Vorhaben. Auf Grund unzähliger Wunschzettel-Bestellungen wird so gut wie jeder vom Band laufende Porsche Macan GTS zur sofortigen Auslieferung benötigt. Gleichzeitig sind sämtliche Schlitten der Weihnachtsmann-Flotte bis zum 24. Dezember komplett verplant. Dank der hartnäckigen Recherche von blog.arcd.de konnte dann aber doch noch ein Termin gefunden werden.

Showdown unter der Kugelbake

Natürlich galt es dabei auf die besondere Auftragslage des Weihnachtsmannes Rücksicht zu nehmen. Deshalb wurde der Fahrzeugtest nicht an der Côte d’Azur oder in den Rocky Mountains angesetzt, sondern an der Cuxhavener Nordseeküste. Dort also, wo Santa Claus auf dem Weg von seinem Zentrallager am Nordpol zu den Kindern erstmals den Deutschen Luftraum betritt. Ein Terrain, das auch dem Macan GTS wie auf den Leib geschneidert ist – mit sandigen Dünen und von der winterlichen Nordsee überspülten Uferpassagen.

Nicht nur alte Seebären wissen, das Klima an der Nordsee kann im Winter schnell rau werden. Natürlich ist es am Tag unserer Testfahrt besonders garstig. Sogar die Funny Girl, das sturmerprobte Fährschiff zwischen Cuxhaven und Helgoland hat es vorgezogen, einen Tag im Hafen zu bleiben. Auch der Flugverkehr zu Deutschlands einziger Hochseeinsel ist eingestellt. Kein Wunder also, dass sich Santa Claus mit seinem Schlitten verspätet. Zeit für uns, zunächst den Porsche Macan GTS einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Playmobil Auto
Ein Hingucker mit Ambitionen: Porsche Macan GTS

Mühelos hat das knapp 2 Tonnen schwere SUV den vereinbarten Treffpunkt an der Kugelbake erreicht. Kein Wunder. Immerhin hat der fränkische Auto-Tuner Playmobil dem Stuttgarter Geländewagen drei zusätzliche Akkus verpasst. Die sorgen geräuschlos und emmissionsfrei für stattliche 360 PS. In 5,2 Sekunden lässt sich der Kraftprotz damit auf 100 km/h beschleunigen. Leistung, die wir aber – zumindest noch – nicht abrufen wollen. Lieber lassen wir den Gesamteindruck noch etwas wirken. Für den sorgt die rote, unprätentiös matte Lackierung. Nahtlos fügt sich der Porsche damit in das Ensemble von Düne, Nordsee und Kugelbake ein. Sie markiert das letzte Stück Land, das sich Seefahrern zeigt – bis sie die Skyline von New York vor Augen haben.

Ganz so weit wollen wir mit dem Macan dann doch nicht fahren. Auch wenn der hochwertig und detailliert gearbeitete Innenraum zum Verweilen einlädt. Insgesamt vier Personen finden dort, unter dem schier endlosen Panoramadach Platz. Dies erscheint wenig für die Abmessungen des Nobel-SUV. Allerdings ist die geringe Fahrgastzahl dem besonderen Komfort geschuldet. Unter dem Motto „Gönn Dir“ haben die Zirndorfer PKW-Veredler auch dem Fonds zwei eigenständige Captain-Chairs verpasst. Dort reisen auch kleine Mitfahrer gerne – Dank Easy-Fix. Zudem sind ein Kindersitz und ein DVD-Entertainment-System für die hintere Reihe serienmäßig. Auf dem Fahrersitz freut man sich derweil über ein an die Formel-1 angelehntes Multi-Funktions-Lederlenkrad und dezent blau beleuchtete Armaturen. Beifahrer profitieren von kleinen Annehmlichkeiten wie Getränkehalter und Klima-Automatik.

Doch auch Wehrmutstropfen finden sich. So ist die Mittelkonsole mit 20 (!) Knöpfen deutlich überfrachtet und sehr unübersichtlich geraten. Ohne Beifahrer ist der Fahrzeuglenker hier schnell überfordert. Doch gerade auf einen Kompagnon wird in der Praxis oft verzichtet werden müssen. Zu wenig Bein- und Bauchfreiheit haben die Designer den Nutzern hier zugestanden. Sowohl ARCD-Blogger Christian Enz als auch der zwischenzeitlich eingetroffene Santa Claus konnten im Macan GTS lediglich auf einem der hinteren Sitze Platz nehmen.

 

    Ein Oldtimer auf Kuven

    Ganz anders kommt da der Santa Claus RB8 daher. Während sich der Porsche auf wuchtigen Pirelli Pzero 295/35R21-Pneus martialisch durch den Sand wühlt, schwebt der Schlitten elfengleich auf zwei Goldbronze-Kufen ein. Ein traditionelles Fahrwerk, das jegliche sportliche Agilität vermissen lässt. Dafür bietet es den Insassen auch bei widrigen Witterungsverhältnissen maximale Sicherheit und Komfort. Sowohl bei der Fahrt über Dünensand also auch im meerwasserüberspülten Watt gleitet der RB8 wie auf Schienen dahin. Dies erlaubt Passagieren das Verreisen ohne Sicherheitsgurt. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, Stückgut offen zu transportieren – was sich bei der Verteilung von Weihnachtsgeschenken sehr positiv auswirken dürfte. Schlägt unter der Haube unseres Test-Macan ein 3,0 l V6 Benzinmotor, so setzt der Weihnachtsmann-Schlitten auf eine externe Zugmaschine. Über eine Zwei-Gelenk-Deichsel sind zwei Rentiere mit insgesamt 8 Beinen an den Schlitten gekoppelt. Ausgestattet mit Schneehufen bewältigen sie Neigungsfahrten von mehr als 62 Grad. Essentiell beim Anfahren an Schornsteinen auf Altdeutschen oder Gotischen Dächern. Außerdem erreichen die speziell gezüchteten Rentiere schon mit normaler Fütterung eine Maximalgeschwindigkeit von 690 km/s. Damit können auch in Umweltzonen und Gebieten mit höchster Feinstaubbelastung termingerecht Geschenke ausgeliefert werden. Diese können wahlweise auf der Sitzbank oder unter der Sitzbank verstaut werden.

    Insgesamt bietet der Santa Claus RB8 Raum für bis zu drei Passagiere. Zwei Personen finden auf der bequemen, mit grünem Samt gepolsterten Sitzbank Platz. Zudem befindet sich ein Stehplatz auf den Kufen im Fonds. Alle Plätze eignen sich vorzüglich, um die ganze Welt zu betrachten. Denn der Rundum-Blick ist unverbaut. Das ohne Dach konzipierte Chassis kommt komplett ohne Säulen aus. Für gute Sicht, auch bei dichtem Nebel, sorgt eine Peitschenlaterne mit sonnenlicht-gleicher St-Martins-LED. Einziges Manko: Der Schlitten des Weihnachtsmannes ist nicht für Kinder zugelassen. Dies liegt einerseits daran, dass es keine Möglichkeit zur Befestigung eines Kindersitzes gibt. Andererseits könnten Kinder mangels Sicherheitsbügel bei großer Flughöhe aus der Schlitten-Schale fallen.

    Playmobil Weihnachtsmann Schlitten
    Punktet besonders bei schwierigen Fahrbahnverhältnissen: der Santa Claus RB8

    Der Praxis-Test:

    Die technischen Daten untermauern den ersten Eindruck: Porsche Macan GTS und Santa Claus RB8 sind Vertreter völlig unterschiedlicher Fahrzeuggattungen. Doch was bedeutet dies für den Alltag? Beide müssen vor allem eines – eine Menge Gepäck transportieren. Dazu kommt der Porsche laut Herstellerangaben mit einem Volumen 500 Litern daher. Neben dem obligatorischen Sack des Weihnachtsmannes bedeutet dies noch Fassungsvermögen für ein großes Geschenk und zwei Koffer. Ganz soviel ist es beim Schlitten nicht. Hier findet ein kleiner Koffer weniger Platz. Dies ist allerdings auch ein beachtliches Ergebnis. Immerhin gehört der Santa Claus RB8 der Mittelklasse an, während der Macan GTS die mobile Oberklasse vertritt.

    In puncto Vielseitigkeit hat dann sogar der Schlitten die Nase vorn. Wie der Porsche, macht auch der Santa Claus auf Asphalt, Sand und Matsch eine gute Figur. Zudem kann das Kufenfahrzeug auch über Wasser und in der Luft fahren. Außerdem hält der Schlitten auf Schnee und Eis gegenüber dem Porsche deutlich besser Spur.

    Positiv auf das Konto des Porsche zahlt eine serienmäßige Anhängerkupplung ein. Mittels Rentier-Anhänger erlaubt diese das komfortable Mitführen von bis zu zwei Vierbeinern – und bietet diesen Schutz vor Regen, Wind, Schnee und Hagel. Negativ zu Buch schlagen allerdings der im Vergleich zum Rentierschlitten hohe Schadstoffausstoß sowie der, laut Prospekt, hohe Verbrauch von bis zu 11 Litern Benzin im Stadtverkehr.

    Santa Claus: Der Weihnachtsmann-Schlitten ist ein seit Generationen bewährtes Konzept. Das mit dem Porsche Macan GTS allerdings ernste Konkurrenz bekommen hat. Die perfekt auf die Arbeitskleidung der Santas abgestimmte Lackierung und der verbesserte Reisekomfort für altgediente Rentiere haben mich begeistert. Für die Weihnachtssaison 2019/2020 werden wir sicher den einen oder anderen Benziner in unsere Flotte aufnehmen. Was allerdings fehlt, ist ein Autopilot. Gerade an langen Weihnachtsabenden würde ich das Entertainmentsystem im Fonds gerne selbst nutzen.
    Christian Enz: Der Porsche Macan GTS in der Playmobil-Edition ist ein komplettes Fahrzeug. Es wird serienmäßig mit Kindersitz und Anhänger ausgeliefert. Das ist eine Ansage – auch an Menschen, die mehr wollen als ein Statussymbol. Die enorme Reisegeschwindigkeit bei kaum messbarem Schadstoffausstoß macht den Santa Claus RB8 allerdings einmalig. Dazu der Ausblick vom Himmel über die malerische Landschaft. Das macht den Schlitten für mich zum Favoriten – zumindest im Sommer. Denn ohne Windschutzscheibe ist es, trotz Mütze und beheizter Sitzbank, an den Zügeln ziemlich kalt geworden. Zum Glück darf ein Schlittenfahrer leckeren Glühwein trinken. Denn die erfahrenen Rentiere bieten schon heute autonomes Fahren.
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